Das erlebnispädagogische Konzept  


Konsumorientierung, Konkurrenzdenken und individuelle Orientierungen sind bei Jugendlichen häufig sehr ausgeprägt. Dagegen werden andere Fähigkeiten wie Zuhören, Toleranz , Helfen und sich helfen lassen, gemeinsames Planen, Verantwortung übernehmen, Entscheiden und Handeln im Team nur selten geübt.

Das soziale Lernen zu fördern, gehört zu den Zielen unserer Fahrten. Dazu gehört, dass die TeilnehmerInnen gemeinsam möglichst viele Entscheidungen selbst treffen sollen. Sie planen während der Fahrt Einkauf und Essen, organisieren Kochen und Spülen, suchen mit Hilfe der Karte die Wegstrecke aus und sind auch verantwortlich für die mitgeführten Materialien. Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe gehören dabei zum Lernprozess. Aufgabe der TeamerInnen ist es, die Entwicklungen in der Gruppe genau zu beobachten und wenn nötig, in Kleingruppen- oder Gruppenreflexionen oder Einzelgesprächen die ablaufenden Prozesse transparent zu machen und persönliche Lernerfahrungen zu ermöglichen.
Bei der Freizeit 2009 "Wandern auf dem Jakobsweg" wurde durch die Antwort einer Teilnehmerin auf eine Reflexionsfrage deutlich, dass die Integration verschiedener jugendlicher Mileus ein weiteres Ziel dieser Freizeit ist:
"Viele Jugendliche, vor allem aus problematischen Verhältnissen können ein Gruppengefühl erfahren, was sie so nicht kennen. Warum ich ausgerechnet Jugendliche aus Problemverhältnissen als Beispiel nenne? Ganz einfach, weil diese Personen gar kein Gruppengefühl mehr kennen. Selbst in ihren Cliquen, ihrem Freundeskreis geht es nur darum, andere auch Freunde, runterzumachen, schlecht darzustellen, um selbst besser da zustehen. Sie sagen zwar, das ist nicht ernst gemeint, aber im Innersten verletzt es doch noch." und
"Ich persönlich nehme viele neue Erfahrungen mit. Dinge, die ich so zu Hause nie erfahren hätte können. In der Gruppe gibt es viele, auch sehr große Unterschiede. Ob soziale, Freundeskreis, Umgangston oder Verhalten oder in der Schulbildung. Das ist jetzt unter keinen Umständen negativ aufzufassen. Ich mag die Gruppe und die Leute mit allen ihren Ecken und Kanten. Allerdings ist mir schon aufgefallen, dass, wenn wir z.B. von unseren Schulen erzählen große Unterschiede herrschen. Ich hätte nicht erwartet, dass die Unterschiede in unserer Region in Sachen Sprache, Umgangston und Verhalten untereinander noch so groß sind.  Auch hat mich erschreckt, dass einige deutsche Wörter, wie Desinfektionsmittel, nicht mehr aussprechen können."

Neben der Eröffnung neuer Lernerfahrungen und das Heranführen der TeilnehmerInnen an ihre individuellen Grenzen möchten wir durch unser zweiwöchiges Leben in der Natur sie auch für die transzendente Dimension sensibel machen. Das intensive Naturerleben ermöglicht die Frage nach dem was hinter den sichtbaren Erscheinungen ist, stellt die Frage nach dem Menschen und seinem Sinn. So bieten wir den TeilnehmerInnen, wenn möglich die Teilnahme an Gottesdiensten an und laden, je nachdem wo wir gerade sind, auch zu Kirchenbesichtigungen ein.

Auf der Abschlussreflexion der Schottland-Freizeit 2004 haben wir die Jugendlichen nach den Lernchancen gefragt, die sie in einer solchen Freizeit sehen. Hier die Antworten einiger TeilnehmerInnen:
  • Verantwortung übernehmen für sich und andere;
  • eigene Interessen hinter Gruppeninteressen zurückstellen können -> Teamfähigkeit;
  • soziales Verhalten;
  • Durchhaltevermögen;
  • vom Wohlstand ein Stückchen Abstand, bescheidener Leben (z.B. ohne Dusche);
  • körperliche Grenzen testen;
  • kochen;
  • Dankbarkeit für im Notfall besorgte Unterkünfte;
  • alle Schlüsselqualifikationen, die man fürs wirkliche Leben so braucht.
  • anderen Menschen gegenüber offener werden;
  • auf andere zuzugehen und sie und ihre Meinungen/Ansichten zu akzeptieren/respektieren;
  • eigene Standpunkte/Ansichten aussprechen;
  • sich in eine Gruppe integrieren;
  • kochen;
  • an körperliche Grenzen gehen;
  • Abstand von zu Hause zu bekommen und (vielleicht) zum ersten Mal alleine wegzufahren => eigenständiger werden;
  • neue Länder erleben, fremde Kulturen kennen lernen;

"In der heutigen, oft sehr egoistischen Konsumgesellschaft werden Jugendliche meiner Meinung nach zu sehr verwöhnt, zumindest in den westlichen Ländern. Jeder ist an seine tägliche Dusche, weiche Betten und alle Annehmlichkeiten gewöhnt. Auf einer reinen Campingfreizeit erkennt man, was man daheim alles hat und lernt seinen Lebensstil mehr zu schätzen. Außerdem lernt man oder kann man auf einer Freizeit sehr viele pädagogische Qualifikationen erlernen. In einer Gruppe steht die Rücksichtnahme an erster Stelle. Man kann nicht nur seinen eigenen Vorteil im Auge haben, ohne dabei an die anderen zu denken, zumindest sollte das der Fall sein. Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander. Deshalb muss jeder seinen natürlichen Egoismus zurückstellen und tolerant sein. Das scheint heutzutage einigen Leuten sehr schwer zu fallen. In einer Gruppe muss man auch immer auf die Gefühle anderer achten. Selbst, wenn man in Bezug auf materielle Dinge kaum Rücksicht nimmt, sollte das aber auf jeden Fall auf der zwischenmenschlichen Ebene der Fall sein. Außerdem kann eine derartige Freizeit jedem einzelnen sehr viel über die eigene Person zeigen. In vielerlei Hinsicht kann man schnell an seine Grenzen stoßen. Man braucht Geduld, sehr viel Geduld und Flexibilität, denn schließlich entscheidet am Ende immer die Gruppe und das entspricht nicht immer dem eigenen Willen. Auch beim Radfahren wird der ein oder andere sich selber fordern müssen und leistet am Ende mehr als erwartet. Alles in allem denke ich, dass es in der Gruppe am wichtigsten ist, aufeinander Rücksicht zu nehmen und seine eigenen Bedürfnisse zurück zu schrauben. Denn auch im "richtigen Leben" kann man nicht immer mim Kopf durch die Wand. In einer Gesellschaft ist das Miteinander immer von immenser Wichtigkeit!"