2 bzw. 3jähriges Berufs- und Lebensfindungsprojekt

Ausgangslage

Die heutige Zeit ist auf der Ebene der Lebensplanung durch eine große Verunsicherung gekennzeichnet. Jugendliche fragen sich: "Welche Werte und Normen gelten für mich?" "Wie kann meine Zukunft aussehen?" (Alterssicherung, Arbeitsplatz, wirtschaftliche Entwicklung). Traditionelle Rahmen, Sinnzusammenhänge und sinnstiftende Institutionen sind aufgelöst bzw. spielen keine Rolle mehr. Jede und jeder hat die Freiheit sich selbst zu entscheiden, aber unterliegt auch dem Zwang sich individuell entscheiden zu müssen. Der Zulauf zu Sekten und anderen Vereinfachern verdeutlicht diese Verunsicherung und zeigt gleichzeitig, wie einzelne Menschen versuchen dieser zu entgehen. Reduzierung von Komplexität ist hier die Handlungsmaxime.

Auch der Arbeitsmarkt trägt sein Teil bei. In der dynamisierten Gesellschaft bleibt offen, ob der heute erlernte Beruf in 10 Jahren vielleicht schon nicht mehr existiert. Jugendliche sind bezüglich ihrer beruflichen Zukunft verunsichert. "Welche Stärken habe ich?" "Was macht mir Spaß?" "Welcher Arbeitsplatz ist heute noch sicher?" "Wie sind die finanziellen Aussichten?"

Die Erfahrung in der Arbeitswelt zeigt, dass Menschen nur dann optimale Leistungen erbringen, wenn die Arbeit ihnen Spaß macht bzw. ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten entspricht.


Zielsetzung

Aufgrund dieser Ausgangslage will das Projekt "Lebens- und Berufsfindung" den Jugendlichen helfen die Unsicherheiten zu reduzieren, in dem es die Schüler*innen befähigt  klare und reflektierte Entscheidungen zu treffen. Hierzu lernen die SchülerInnen ihre eigenen Stärken und auch Schwächen kennen, werden angeleitet am Beispiel der Praktikumswahlen sowie der Entscheidung, was nach der 9. Klasse zu tun ist, eine bewusste Entscheidung zu treffen (Persönlichkeitsbildung). Hierzu gehört auch die Reflektion der Praktika und das Ziehen von möglichen Konsequenzen. Notwendige Informationen über den Arbeitsmarkt und seine Möglichkeiten werden beim Arbeitsamt, dem Jobfux bzw. über das Internet eingeholt.

Das Team orientiert sich am, in der integrativen Therapie entwickelten, Persönlichkeitskonzept von Hilarion Petzold. Er geht davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit auf fünf Säulen ruht, die er mit den Begriffen "Körper", "soziale Beziehungen", "(materielle) Sicherheit", "Arbeit/ Leistung" und "Werte/Glaube" charakterisiert.  Die Schüler*innen lernen diese Bereiche kennen und entwickeln ein eigenes Persönlichkeitsprofil, das in Bezug zunächst auf die Praktikums- und später auf die Ausbildungsplatzwahl bzw. weitere Schullaufbahn bezogen wird.


Zielgruppe

Schüler*innen der 7. Klassen, die bis in die 9. Klasse bzw. 10. Klasse hinein begleitet werden.

Ablauf

Das Projekt beinhaltet drei Phasen:

1.) Einstiegsseminar in der 7. Klasse zur Persönlichkeitsbildung (5 Tage)

Hier geht es darum, dass sich die Schüler*innen selbst besser kennen lernen. Die Frage nach ihren Fähigkeiten und Stärken steht hier im Vordergrund. Selbst­bewusstsein und Selbstsicherheit sollen ge­stärkt werden. Die Schüler*innen erhalten nach jeder Einheit Reflexionsfragen, die sie in ihr Portfolio einheften. Hierdurch wird ihre eigene Entwicklung dokumentiert und ihre Reflexionsfähigkeit gefördert. Abschließen wird auf das erste Praktikum geblickt.

2.) Praktikum in Betrieben und Zwischenseminar in der 8. Klasse (2 Wochen, 3 Tage)

Die Jugendlichen reflektieren ihre Praktikumserfahrung im Blick auf die Wahl des zweiten Praktikums. Ihnen wird die Möglichkeit geboten Vorstellungsgespräche mit Video zu üben und über die weiteren (Aus)Bildungswege nach der 9. Klasse werden sie durch den Jobfux informiert.

3.) 2. Praktikum und Abschlussseminar in der 9. bzw. 10. Klasse (1-2 Wochen, 3 Tage)

Hier liegt das Schwergewicht auf der Reflexion des zweiten Praktikums und der ge­troffenen bzw. zu treffenden Berufs- bzw. Schulentscheidung. Wichtig ist hier die Frage nach der Erreichbarkeit der Ziele und welche konkreten Schritte zur Realisierung getan werden können. Außerdem wird mit den Schüler*innen ein Eignungstest durchgespielt, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, welche Anforderungen solche Tests an die Bewerber*innen stellen.

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