sexualpädagogische Vormittagsveranstaltung

Ausgangslage

Zunehmend mehr Jugendliche haben in immer jüngerem Alter ihre ersten sexuellen Kontakte. Oft steht dahinter auch der Druck der Gleichaltrigengruppe. „Jedes zehnte Mädchen von 14 Jahren und jedes vierte Mädchen von 15 Jahren hatte bereits Geschlechtsverkehr. Für 34% der Jungen und 22 % der Mädchen passierte der erste Geschlechtsverkehr völlig überraschend. 12 % der 15- und 16-jährigen Mädchen kennen den Zeitpunkt ihrer fruchtbaren Tage nicht. Bis zu 80% der Jugendlichen wünschen sich im Nachhinein, dass sie mit Sex gewartet hätten.“ (M. Lange-Ernst "Augeklärt und ahnungslos" in DAK-Magazin FIT! 3/2005; S. 47)

15jährige Mädchen fragen das Dr. Sommer Team der Jugendzeitschrift BRAVO, ob es normal sei, mit 15 Jahren noch Jungfrau zu sein.

„Die Zahl der Schwangerschaften von Minderjährigen in Deutschland steigt an – ganz im Gegensatz zu den rückläufigen Geburtenzahlen erwachsener Frauen. Im Jahr werden rund 14.000 Teenager schwanger. 1999 brachten 4.740 von ihnen ein Kind zur Welt. 2003 waren es bereits 5.131. Ebenso nahmen die Schwangerschaftsabbrüche zu: Sie stiegen von 5.733 im Jahr 1999 auf 7.645 im Jahre 2003. (...) Die Entscheidung darüber, das Kind auszutragen oder abtreiben zu lassen, überfordert die meisten Teenager. Vielfach wird die ungewollte Schwangerschaft sogar zunächst verdrängt und verschwiegen. Nach neueren Untersuchungen entschieden sich Mädchen aus sozial gesicherten Verhältnissen häufiger für einen Abbruch und die Fortsetzung von Schule und Ausbildung. Teenager aus mittellosen und sozial schwierigen Verhältnissen dagegen entschieden sich öfter für das Kind. Dadurch erhoffen sie sich neue Lebensinhalte und als Mutter gesellschaftliche Anerkennung. So verständlich der Wunsch ist: Er zerplatzt nur allzu oft wie eine Seigenblase. Teenager-Mütter ohne Schulabschluss und Ausbildung droht meistens die Enttäuschung sozialer Ausgrenzung. Gefangen in der Armutsspirale jahrelanger Abhängigkeit von der Sozialhilfe, drückt sich der Kindsvater vor der Verantwortung und macht sich nicht selten aus dem Staub.“ (a.a.O. S. 46.f)

Jungen gelten oft als ´cool´ und sind in der Clique angesehen, wenn sie viele Mädchen ´flach gelegt´ haben. Andere haben ganz viel Scheu, sind sich unsicher und verstecken dies hinter einem machohaften Gehabe.

Oft steht das sexuelle Moment der Paarbeziehung im Vordergrund und überlagert die wichtigen Beziehungswerte und nichtsexuellen Bedürfnisse, die eine Partnerschaft erfüllen soll.

An diesen Punkten setzt das sexualpädagogische Angebot des Dekanats St. Goar und der JugendBegegnungsStätte an, das häufig auch in Zusammenarbeit mit weiblichen pädagogischen  Fachkräften durchgeführt wird.

Zielsetzung

Mit diesem Angebot wollen wir die Jugendlichen sensibilisieren für eine verantwortete Partnerschaft und eine verantwortete Sexualität und ihnen in diesem Bereich Anstöße zu einem gelingenden Leben geben.

Die SchülerInnen werden sich über ihre eigene Geschlechtsrolle, deren Freiheiten und Zwänge, und die Erwartungen des anderen Geschlechts klarer.

Sie beschäftigen sich mit der Frage, was in Beziehungen wirklich wichtig ist, welche Werte bzw. Verhaltensweisen zu einer gelingenden Partnerschaft beitragen. Sie erkennen welche Dimensionen eine Partnerschaft haben kann und, dass Sexualität nur eine davon ist.

Die SchülerInnen machen sich Gedanken zu der Frage, wann denn der richtige Zeitpunkt für das "erste Mal" ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein sollen und, dass Gruppendruck keine davon ist.

Als katholische Einrichtungen spüren wir den Spagat zwischen der kirchenamtlichen Position und den realen Lebensbedingungen der Jugendlichen. In der nicht einfachen Abwägung wird mit den SchülerInnen über das Thema Verhütung und die verschiedenen Methoden gesprochen. In den Blick kommen auch die ethischen und gesundheitlichen Implikationen der einzelnen Methoden.


Methoden

Es hat sich gezeigt, dass die Kleingruppenarbeit die zentrale Methode ist. Hier bei ist es wichtig, dass die Gruppengröße nicht mehr als sechs bis acht SchülerInnen beträgt, um zum einen eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu ermöglichen und zum anderen ein intensives Gespräch führen zu können.

Weitere Methoden sind: Arbeitsblätter, Fragebogen, Quiz zum Thema Sexualität, Plakaterstellung, Ergebnissicherung im Plenum.


organisatorische Struktur

  • Das sexualpädagogische Angebot richtet sich schwerpunktmäßig an SchülerInnen der neunten bzw. zehnten Jahrgangsstufe.

  • Es umfasst einen Vormittag, also fünf Zeitstunden, inklusive Pausen.

  • Es findet außerhalb der Schule, in der Regel in den Räumen der JugendBegegnungsStätte, statt. Hier durch wird eine andere Lernatmosphäre geschaffen und verdeutlicht, dass es bei dieser Veranstaltung nicht primär um den Erwerb von Wissen, sondern um die Auseinandersetzung mit den eigenen Werthaltungen und Meinungen geht.

  • Die jeweiligen KlassenlehrerInnen sind nur auf Wunsch der SchülerInnen in den Arbeitgruppen anwesend.

  • Aspekte dieses Themas werden auch im Rahmen von Tagen der Orientierung durchgeführt.

  • Das Team besteht idealer weise aus zwei Männern und zwei Frauen, um die Kleingruppen  klein zu halten und den geschlechtsspezifischen Ansprüchen der SchülerInnen gerecht zu werden.

© JBS-Boppard, Hermann Schmitt und Dekanat St. Goar, Matthias Olzem 05/2006

 

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